Sandra Schröder | 14. Januar 2024

Lesezeit: 4 Minuten

Die Ansprache in der digitalen Welt ist nicht so einfach.

Sprachliche Balance in der digitalen Welt: DU oder SIE
Alles ganz klar? Oder eher verwirrend?

In der digitalen Welt stehe ich ganz klar vor einer sprachlichen Herausforderung, wenn ich mit meinem Publikum interagiere: Duzen oder Siezen? Ich sieze Sie auf meiner Website und in meinem Blog. Aber ich sage ganz lapidar ‚Du‘ auf Instagram, Facebook & Co. Die Entscheidung zwischen diesen unterschiedlichen Ansprachen ist für mich keine einfache Wahl, sondern ein nuanciertes Spiel mit Konventionen und meinen Zielgruppen.

Haben Sie das gewusst?

Auf meiner Website entscheide ich mich für das förmliche ‚Sie‘, um Respekt und Professionalität meinem virtuellen Gegenüber zu zeigen. Das ist wie in der realen Welt: Wenn ich jemanden kennenlerne, muss ich mich in Sekundenschnelle entscheiden, ob ich ‚Du‘ oder ‚Sie‘ sage. Im beruflichen Umfeld heißt das erst einmal ganz klar für mich: Sie.

Wie findest Du das?

In der Social Media Welt habe ich mich für das ‚Du‘ entschieden. Warum? Für mich persönlich ist es etwas befremdlich auf Instagram, Facebook & Co. zu siezen. Wir haben uns in den sozialen Medien sehr an die Nähe zu unserer Community und unseren Freund:innen oder Follower:innen gewöhnt. Das ‚Du‘ wirkt für mich sympathischer und zugänglicher.

Tücken der Sprache

Nicht alle Menschen möchten geduzt werden, wenn sie ein Geschäft betreten, mit einem Vorgesetzten sprechen oder eine Diskussion mit der Lehrerin des Sohnes führen – und eben auch nicht, wenn sie auf eine Website kommen. Das hat für viele etwas mit respektvollem Umgang, persönlicher Vorliebe, unserem sozialen und kulturellen Umfeld und mit unserem Alter zu tun. Junge Menschen finden es (normalerweise eher) komisch, wenn mit ‚Sie‘ angesprochen werden. Menschen aus meiner Generation bevorzugen aber – wie ich – größtenteils das ‚Sie‘ beim ersten Kennenlernen oder im geschäftlichen Umfeld. Im privaten Bereich hat sich das Du fast überall durchgesetzt.

Mein Spagat zwischen Du und Sie

Meine Dualität hat ihre Gefahren. Wenn ich an einer unterschiedlichen Ansprache festhalte, kann das zu einer Widersprüchlichkeit zwischen meinen interaktiven Plattformen führen.

Für mich ist das eine echte Herausforderung in einem digitalen Ökosystem, das Konsistenz und Personalisierung schätzt: Während das ‚Sie‘ auf meiner Webseite Wertschätzung zeigt, wird das ‚Du‘ in den sozialen Medien als authentischer und echter wahrgenommen. Selbstverständlich zeige ich meinem virtuellen Partner in Social Media die gleiche Wertschätzung – nur in einer anderen Tonalität. Aber diese scheinbar klare Trennung kann manchmal Verwirrung stiften. Auf der einen Seite wirst Du gesiezt und auf der anderen Seite werden Sie geduzt…

Und jetzt?

Es ist schwierig für mich, den richtigen Ton für die verschiedenen Kanäle zu finden, ohne dabei meine Identität zu verlieren oder Verwirrung zu stiften. Eine Balance zwischen formeller Professionalität und informeller Zugänglichkeit zu schaffen, ist für mich eine echte Gratwanderung. Das zeigt, wie subtil die Macht der sprachlichen Nuancen in meiner digitalen Präsenz sein kann. In der virtuellen Präsenz von uns allen.

 

Liebe Leserinnen und Leser: Ich sieze Sie hier und duze Dich da! Mit absoluter Wertschätzung und großem Respekt. Jegliche Verwirrung – sofern sie besteht – ist unbeabsichtigt.

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